Die Weissen Fliegen (Aleyrodidae) gehören zur Überfamilie der Mottenschildläuse und sind weltweit verbreitet. Mit einer Grösse von 1 bis 2 Millimetern umfasst diese Familie über 1.500 Arten, von denen etwa 17 in Mitteleuropa heimisch sind.
Die Weibchen legen ihre ovalen, etwa 0,2 Millimeter langen Eier, die von weiss bis gelblich-grün gefärbt sind, auf die Blattunterseiten der Wirtspflanzen. Während das erste Larvenstadium noch beweglich ist, bleiben die folgenden drei Stadien unbeweglich. Aus dem vierten Larvenstadium entwickeln sich die Puparien, aus denen schliesslich die adulten Tiere schlüpfen. Ihre weisslich-mehligen Flügel geben der Insektenfamilie den Namen.
Die Entwicklungsdauer von Ei bis Adultstadium hängt stark von der Temperatur ab. Bei 16 °C dauert der Prozess rund zwei Monate, während er sich bei 24 °C auf weniger als die Hälfte der Zeit verkürzt. Besonders in Gewächshäusern und an warmen Standorten kann es daher schnell zu einer massenhaften Vermehrung kommen.
Sowohl Larven als auch Adulte ernähren sich von Pflanzensaft und gelten daher als Schädlinge in der Landwirtschaft und im Gartenbau.
Zierpflanzen (vor allem Poinsettien)
In der Schweiz selten an Gemüse
Kohlgewächse (v. a. Rosenkohl, Brokkoli, Kohlrabi)
Sporadisch an Zierpflanzen gegen Herbst
Schaden entsteht primär durch die Saugtätigkeit der Larven und Adulten an den Blättern.
Wie Blattläuse benötigen die Weissen Fliegen vor allem die Aminosäuren aus dem Pflanzensaft. Die überflüssigen zuckerhaltigen Kohlenhydrate werden als "Honigtau" ausgeschieden, locken Ameisen an und werden von Russpilzen besiedelt. Diese Pilze beeinträchtigen wiederum die Photosynthese der Pflanzen.
Einige Arten sind Überträger von Pflanzenviren (z.B. Bemisia tabaci - Tomato Yellow Leaf Curl Virus - TYLCV)
Schon seit längerer Zeit gibt es kein Pflanzenschutzmittel, welches die Weisse Fliege gut und nachhaltig bekämpft Es zeigt sich immer wieder, dass der Einsatz von Nützlingen im geschützten Anbau die beste Lösung gegen den Schädling ist.
Zeigerpflanzen
Gelbfallen
Agrocontrole - App
Bei den Gemüsekulturen im Gewächshaus ist die Strategie weniger einheitlich als bei den Zierpflanzen. Die Freilassungsstrategie ist den jeweiligen Kulturen und der Situation in der Vorsaison anzupassen.
Neben den beschriebenen Nützlingen, welche in den Zierpflanzenkulturen verwendet werden, spielt die Raubwanze Macrolophus eine wichtige Rolle in der Bekämpfungsstrategie.
Die Kohl-Weisse Fliege wird von den erhältlichen Nützlingen schlecht oder gar nicht parasitiert bzw. gefressen. Ein Einsatz im Freiland wird deshalb nicht empfohlen.
Vergleichsstudien zwischen synthetischen Pflanzenschutzmitteln und biologischen Produkten zeigen geringe Unterschiede in der Wirksamkeit: Natural und Glumalt SL erzielten identische Ergebnisse. Der Wirkungsgrad hängt jedoch stark von der Applikationstechnik ab: Werden die Schädlinge nicht direkt getroffen, bleibt die Wirkung unzureichend.
Für kleine Flächen empfehlen wir den vorbeugenden Einsatz von Kulturschutznetzen, wie Filbio PP und Filbio PA.
Wir empfehlen bereits wenige Tage nach der Pflanzung präventiv Nützlinge auszubringen. Die meisten Nützlinge "arbeiten" bereits ab 10 °C und ertragen kurzfristig auch tiefere Temperaturen. Für den erfolgreichen Start eignet sich die Erzwespe Encarsia formosa. Der Einsatz muss je nach Situation wöchentlich oder mindesten alle 14 Tage wiederholt werden. Im Sommer kann zusätzlich die Erzwespe Eretmocerus eremicus eingesetzt werden, welche etwas aktiver bei wärmeren Temperaturen ist.
Falls in der Kultur bereits die Raubmilbe Amblyseius swirskii oder Transeius montdorensis gegen Thrips verwendet wird, kann mit einer Nebenwirkung auf die Weisse Fliege gerechnet werden.
Wenn Sie Interesse haben, Nützlinge einzusetzen, kontaktieren sie unsere Berater:innen, wir erstellen Ihnen gerne einen auf Ihre Kultur zugeschnittenen Plan.
Wenn bereits viele Schädlinge vorhanden sind, müssen die Pflanzen vor der Freilassung der Nützlinge mit einem nützlingsschonenden Insektizid (ideal z.B. Natural) behandelt werden. Danach haben die Nützlinge eine reale Chance ihre Gegenspieler unter der Schadschwelle halten, sodass keine weiteren Behandlungen mehr nötig sind. Roller-Trap Gelbbänder und Catch-it Gelbfallen können als Ergänzung zum Abfangen der ausgewachsenen Weissen Fliegen montiert werden.
Bei Befallsbeginn: NeemAzal-T/S
Abstoppend: Natural, Prev-AM, bei heissen Temperaturen Glumalt SL
Extrakt aus den Kernen des Neem-Baumes
Früh bei Befallsauftritt
Im Sommer frühmorgens applizieren, sodass Abtrocknung 3–4 Stunden dauert
0,3 %, 2–3 Applikationen im Abstand von 7–10 Tagen
Teilsystemische Wirkung
Nützlingsschonend
Gewisse Pflanzen reagieren mit Phytotox, siehe Gebrauchsanweisung
Maltodextrin
Bei akutem Befall zum Abstoppen
Bei heissen Temperaturen, an Sommertagen am Mittag in Hitze applizieren, sodass Abtrocknung nur wenige Minuten dauert
Verklebt beim Eintrocknen die Atemöffnungen und Gliedmassen, reine Kontaktwirkung
2,5 %, 2 Behandlungen im Abstand von 3–4 Tagen
Nicht in Blüten applizieren während Flug der Bestäuber
Catch-it Fallen zur Befallsüberwachung in 2 Grössen
Fangbänder Roller-Trap gelb für den Massenfang
Natürliche Fettsäuren
Bei akutem Befall zum Abstoppen
Im Sommer frühmorgens applizieren, sodass Abtrocknung 3–4 Stunden dauert
1–1,2 %, alle 3–4 Tage wiederholen, reine Kontaktwirkung
Löst die schützende Wachsschicht der Insekten auf, worauf diese austrocknen
Schont die meisten Nützlinge ausser bei wiederholter Anwendung Raubmilben
Phytotox an Gemüse und Zierpflanzen (Gebrauchsanleitung beachten)
Orangenöl
Bei akutem Befall zum Abstoppen
Im Sommer frühmorgens applizieren, sodass Abtrocknung 3–4 Stunden dauert
0,2 %, alle 3–4 Tage wiederholen, reine Kontaktwirkung
Löst die schützende Wachsschicht der Insekten auf, worauf diese austrocknen
Bei wiederholter Anwendung wenig Nützlingsschonend
Phytotox an Zierpflanzen möglich (Gebrauchsanleitung beachten)
Wenn Sie Fragen zur Bekämpfungsstrategie haben, kontaktieren Sie bitte unsere Berater:innen.