Die Kastanienminiermotte
Cameraria ohridella

Die Larven der Kastanienminiermotte fressen sich durch die Blätter und verursachen braune Flecken. Bei starkem Befall wirft der Baum bereits im Sommer die Blätter ab.

 

  • Seit 1998 in der Schweiz 
  • Befällt fast nur die weiss blühende Rosskastanie Aesculus hippocastanum 
  • Erstbefall im Frühling ab Mai 
  • Erste Generation im unteren Kronenbereich 
  • Eine starke Sommergeneration miniert 100% der Blätter 
  • Braunfärbung und früher Blattfall 
  • Nicht in Höhenlagen ab 1500 m.ü.M 
  • Überwachung mit Pheromonfallen
  • Bekämpfung mit NeemAzal-T/S (0,5%)

Schadwirkung


Symptome

  • Erst kommaförmige Minen, später 3 – 4 cm lange Gänge 
  • Minen meist durch Blattnerven begrenzt
  • Blattoberhaut über der Miene ist vertrocknet und braun
  • Laubfall setzt bereits im August ein
  • Ende September ist der Baum kahl 

Verwechslungsmöglichkeiten 

  • Blattbräunepilz Guignardia aesculi: Kann während der gesamten Vegetationsperiode auftreten, wird nicht durch Blattnerven begrenzt und ist fast immer von einem leuchtend gelben bis hellbraunen Rand umgeben 
  • Salzschäden: Treten immer vom Blattrand her auf 

Schäden am Baum 

  • Assimilationsfläche der Blätter stark reduziert
  • Mehrjähriger starker Befall schwächt den Baum
  • Verringerte Frucht- und Samengrösse 
  • Nicht tödlich für den Baum 

Auswirkungen auf Städte

  • Weniger Klimaregulierung und Staubbindung
  • Verminderte Ästhetik 
  • Früher Blattfall verursacht Kosten für Reinigung und Entsorgung 

Prävention 

  • Falllaub einsammeln
  • Das Laub heiss kompostieren, schreddern oder im Hausmüll entsorgen. Dadurch wird der Befallsdruck der ersten Generation reduziert. Dies ist eine wichtige Phase für den Baum und hat darum einen starken Effekt.

Bekämpfung 

  • Überwachung der Flugzeit mit Pheromonfallen ab Anfang April 
  • Wenige Tage nach den ersten Falterfängen Einsatz von NeemAzal-T/S 
    • 0,5 % NeemAzal-T/S wenige Tage nach Flugbeginn 
    • Behandlung nach 14 Tagen wiederholen 
  • Wird der Falterflug nicht überwacht, erste Behandlung zur Vollblüte der Rosskastanie durchführen
  • Bei grossen Bäumen vor allem unteres Kronendrittel behandeln (Ausbringungstechnik)
  • Bei starkem Befall zusätzliche Behandlungen der 2. und 3. Generation im Juni und August durchführen 
  • Dazu den Pheromondispenser in der Falle Ende Mai und Ende Juli auswechseln
  • Bei einer alfälligen 2. und 3. Behandlung die ganze Krone behandeln (Ausbringungstechnik)

Genauere Beschreibung 

  • Familie der Miniermotten (Gracillariidae)
  • 5 mm kleiner Schmetterling
  • Kupferfarbene Vorderflügel mit weissen, aussen schwarz umrandete Querbinden
  • Lange Fransen an den Hinterflügeln 
  • Flugfähig, fliegt aber nur kurze Strecken – passive Verbreitung durch den Wind

Lebenszyklus

Ei

  • Ein Weibchen legt zwischen 20 – 40 Eiern auf die Blattoberseite
  • Oval, matt und durchscheinend, kleiner als 1 mm 
  • Entwicklungsdauer je nach Wetter, bis zu zwei Wochen 

Larve

  • Geschlüpfte Larven bohren sich sofort ins Blatt
  • Larvenstadien 1 – 2 ernähren sich nur vom Pflanzensaft und verursachen noch keine sichtbaren Schäden
  • Larvenstadien 3 – 4 fressen das Blattgewebe und verursachen die typischen Blattminen
  • Die 3 – 4 mm langen Larven sind von aussen sichtbar
  • Larvenstadien 5 – 6 fressen nicht mehr und beginnen sich einzuspinnen 
  • Das Larvenstadium dauert insgesamt etwa einen Monat 

Puppe

  • Die Puppenruhe dauert etwa zwei Wochen
  • Von jeder Generation geht ein Teil der Puppen direkt in die Winterruhe, von der Herbstgeneration die meisten
  • Einige Puppen halten Diapause über zwei Kälteperioden und schlüpfen erst in eineinhalb Jahren 
  • Zum Schlüpfen bohrt sich die Puppe ein Loch in die Blattoberseite 

Adulte

  • 1. Generation: Schlupf der überwinterten Tiere ab Mitte April, halten sich gerne im unteren Kronenbereich und auf der Südseite des Baumes auf
  • 2. Generation: Schlüpft Ende Juli/Anfang August, befallen auch obere Kronenpartien
  • 3. Generation: Schlüpft September bis November, je nach Wetter und Nahrungsangebot
  • 4. Generation: Möglich bei warmem und trockenem Wetter, wird aber nicht mehr voll ausgebildet 
  • Die Flugzeit einer Generation dauert 3 – 4 Wochen, später im Jahr beginnen sich die Generationen zu überschneiden